Grußzettel
von Brunhild Hauschild, 5/2013

„…hat ne’n Zettel im Schnabel, von der Mutter einen Gruß“, wer kennt ihn nicht, den Text des alten Kinderliedes.
Nun kann man natürlich darüber sinnieren, dass ja eine Brieftaube oder ein ähnlich großer Vogel nichts Größeres transportieren kann. Fachleute werden sagen, dass Notizen generell an den Fuß des Vogels gebunden werden. Den Schnabel muss er frei haben. Vielleicht zum Schnattern oder Trillern oder auch nur zum Luftholen?
In der heutigen Zeit schickt keiner mehr Zettel per Vogel oder Brieftaube auf die Reise. Das war einmal. Die Brieftaubenzüchterei mit ihren Wettbewerben ist als Hobby geblieben. Doch da fliegt kein Vogel mehr mit einer Nachricht, dieses Tun ist uns einzig per Lied aus alten Zeiten überliefert.
„Mach Dir die Suppe warm. Kompott steht im Kühlschrank.“ Oder „ Bin schon los, ruf mich nachher an: Telefonnummer:……“.
Es sind Infozettel für den Alltag, die auf dem Küchentisch liegen. Manchmal finden sich aber auch kleine Botschaften des Herzens dort: „ Ich liebe Dich, freue mich auf heute Abend.“
Diese kleinen Liebesbotschaften, die wie in Schuberts „Taubenpost“ von Sehnsucht sprechen, bereichern heute immer noch unser Zusammenleben. Manche Zettel sind es wert, aufgehoben zu werden. Wenige Menschen erkennen ihre Besonderheit.
Leider werden die Zettelbotschaften oft schon durch das Handy ersetzt.
Und diese sms-Grüße sind dann doch für immer verloren.




© Brunhild Hauschild
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